Vier Jahreszeiten an sechs Tourentagen

 

Bergdale Hochtouren 2018 - malerischer hochalpiner HauptkammIm Frühsommer sind wir nur selten auf Hochtouren unterwegs: zu viel Schnee vom Winter übrig, Wetter oft nicht so stabil wie im September, bei frühem Schulferienbeginn schnell mal zu volle Hütten, um mit Hund unterzukommen. Dieses Jahr aber haben wir es mal getan – und es hat schon alles ziemlich gut gepasst in dieser zweiten Junihälfte. Was hatten wir für Touren!

Auf der ersten, die uns zu unserer »Haushütte«, über eine für uns neue Scharte mit Steig im Steilgelände und sogar einem Fixseil (!) hinüber zu einem Berghotel und dann auf einen alten Jägerpfad führt, ist das Wetter zunächst so, wie man sich das in einem Juni vorstellt: Sonne, etwas Altschnee, dekorative Wölkchen.

Bergdale Hochtouren 2018 - seilversicherter Steig im AbsturzgeländeAbgesehen davon, dass es für unseren – und Luzies – Geschmack etwas arg warm ist, sind die Bedingungen und die Route einfach toll! Mit den Wolken und Schneefeldern lassen sich besonders malerische Fotos machen, alles grünt und frühlingsblüht, es sind noch wenige Leute unterwegs, und auf der herzlichen Hütte werden wir von den vertrauten Gesichtern empfangen wie Freunde. Es ist, als käme man nach einem langen, anstrengenden Arbeitsjahr nach Hause und kann nun endlich entspannen. Am nächsten Tag ist ein schwieriger Steig mit anschließendem, fixseilversichertem Altschneefeld von gut 50° Neigung sehr nach unserem Geschmack – und ganz besonders nach dem von Luzie, als es in der Auslaufzone vor dem Blockgelände flacher wird und sie im aufweichenden, pfotenkühlenden Schnee mit voller Kraft voraus bergab Gas geben darf!

Bergdale Hochtouren 2018 - Downhillracing im AltschneefeldNach dem Berghotel, in dem ich als Hochtourengeherin mich doch etwas fremd fühle und die kleinen, einfachen, »echten« Hütten vermisse, führt uns unsere Route über einen abenteuerlichen Jägerpfad durch einen verwunschen schönen Rothirschwald zurück in die Zivilisation. Irgendwie ist es immer ein Kulturschock, wenn man aus dem stillen, wilden Hochgebirge zurückkehrt, auch wenn man in bewohnten Regionen eigentlich zuhause ist und sie von oben über weite Strecken im Blick hat.

Apropos von oben: Bergdale Hochtouren 2018 - HüttentransporteAls Motto hätte man diese erste Tour auch unter den Begriff »Heli« stellen können, denn immer wieder hallen stundenlang die Rotorengeräusche von Flugtransporten durch die Täler. Viele Berghütten öffnen im Lauf der zweiten Junihälfte und benötigen zu Saisonbeginn die Grundausstattung, und vielerorts weit oben ist jetzt die Zeit, um das kurze Sommerfenster zu nutzen und Baumaßnahmen zu beginnen. Ein ziemliches Spektakel und sehr beeindruckend – für uns die Männer, wie sie Runde um Runde schwere Ladungen an das Lastenseil des über ihnen in der Luft stehenden Helis einhängen, und für die Männer unser Hochtourenbegleithund Luzie mit ihrem Abseilgeschirr und manchmal den Pfotenschuhen.

Wetterbedingt beschließen wir, nach nur einem Pausentag gleich wieder aufzubrechen. Eine Kaltfront mit stürmischen Winden und Niederschlag wird aufziehen. Wir wollen eine weitere dreitägige Tour durch zwei uns völlig neue Täler am Alpenhauptkamm genießen, lernen neue, ebenso herzliche Hüttenwirtsleute kennen – und müssen doch wieder einmal einen 3.000er unbesucht lassen.

Bergdale Hochtouren 2018 - Schneesturm auf knapp 3000 mSchon in der ersten Nacht schneit es bis auf 2.200 m hinunter. Bis zur Scharte, dem Übergang zum Nachbartal, sind die Bedingungen nicht einfach, aber dick eingepackt, angemessen ausgerüstet und mit der vorhandenen Erfahrung recht problemlos. Dort geht ein Stichweg hinauf zum Gipfel – doch der Grat ist flächig vereist. Zusammen mit den stürmischen Böen und dem Schneefall wäre ein Gipfelversuch lebensgefährlich und schlicht leichtsinnig. Also begnügen wir uns mit ein paar Fotos auf der windumtosten Scharte kurz unterhalb der 3.000-m-Marke. Es ist so kalt, dass Luzie, die Kälte liebt und unter Mittelgebirgs-Winterbedingungen keinen extra Schutz braucht, mit ihrem Fleecemantel unter dem Abseilgeschirr sehr zufrieden dreinblickt. Sie dreht die Nase in den Wind und lässt die Ohren fliegen – und scheint dabei zu lächeln.

Im Abstieg zum Nachbartal lauern dann durch Schmelzharsch unerwartet harte, sehr steile Schneefelder, die wir queren müssen. Ohne Steigeisen und Pickel, von denen uns für diese Tour abgeraten worden war, verlangt uns das technisch jetzt alles ab, und Luzie kann kaum von ihren eingebauten Spikes profitieren: Ihre Krallen sind auf der betonharten Oberfläche nutzlos. Aber mit der nötigen Geduld kommen wir gut hinüber und sind bald auch aus dem Eisschlagbereich heraus, der durch die inzwischen auf über 0 Grad steigenden Tagestemperaturen gefährlich wird.

Bergdale Hochtouren 2018 - putzige WildtiereAuf der nächsten Hütte wird es dann doch noch einmal aufregend aus einem ganz anderen, sehr pelzigen Grund: Horden von Murmeltieren kommen völlig unerschrocken bis auf 5 m heran. Zeit, Luzie ihrem Herrchen in die Hand zu drücken und die Kamera zu zücken …

Im Abstieg an Tag drei regnet es ganz unspektakulär. In der Nacht ist die Schneefallgrenze noch einmal weiter gesunken, und wir sind froh, diese zweite Tour vorgezogen zu haben. Alle drei eingepackt in Regenschutz, trotten wir zurück zum Auto, das im Tal auf uns wartet. Über lange Strecken hängen wir alle unseren eigenen Gedanken nach – über schmerzende Knochen, verlockende Gipfel, die fantastische Tierwelt des Hochgebirges, die Vorzüge einer Sauna mit anschließender Massage und die besonderen Reize ungewöhnlichen Wetters.

Bergdale Hochtouren 2018 - Blick auf Gabler und ReichenspitzeUnd natürlich über die nächsten Touren. Als Hund plant Luzie sicher nicht in die Zukunft, zumindest nicht in abstrakter Form. Manchmal jedoch, wenn wir hoch oben unterwegs sind, schaut sie sich entfernte Hänge, Flanken und Berge an, als würde sie selbst den Aufstiegsweg für eine Tour irgendwann dort drüben suchen. Wird sie am Ende noch größenwahnsinnig und träumt gar vom vergletscherten Gabler, wo sie auch heuer, mit 10 Jahren, noch so genauso gut gelaufen ist wie im letzten Jahr … ?

 

Tourentraining und ein »Runder«

Der Bergdale wird 10Ruhig war es hier die letzten drei Monate – das Nachziehen der früheren Blogeinträge steht hinter der guten Auftragslage zurück. Luzie dagegen läuft ungebremst weiter, ganz ungeachtet ihrer 10 Jahre, die sie erschreckenderweise seit gestern nun schon alt ist. Wie schnell das geht! Erst neulich haben wir doch die erste gemeinsame Bergtour … ?

Luzie sind solche Gedanken zum Glück schnurzpiepegal. So ungeguldig sie ihren Geburtstags-Crêpe verschlungen hat, so fit und engagiert wie eh und je ist sie bei den angelaufenene Vorbereitungen auf die Bergtouren des Sommers dabei.

Der Bergdale wird 10In diesem Jahr stehen zwei Touren auf dem Programm: eine mit längeren Laufstrecken, möglicher Schnee- und Eispassage und einer fast nicht begangenen Etappe sowie eine zweite mit einem schicken Dreitausender. Gerade diesen haben wir schon lange auf der Liste und hoffen auf einen gnädigen Petrus. Auf den hoffen wir natürlich immer, aber dieses Mal noch ein kleines bisschen mehr – schließlich können wir nicht wissen, wie viele Sommer Luzie uns noch auf Bergtour wird begleiten können.

Während wir Menschen – ganz Schreibtischtäter – für diese Touren eher Kondition und Tragkraftt auftrainieren, üben wir mit unserem Bergdale Trittsicherheit, Gleichgewicht und das bewusste Setzen der Hinterbeine. Wichtige Trainingsparcours sind uns dabei gut gesetzte Holzstammlager, möglichst groß, abwechslungsreich, komplex, auch mit glatter Rinde für Traktionsübungen. Auf meinem Lieblingsstapel habe ich ein frisches Video gedreht – viel Spaß beim Gucken!

Der Alpinhundblog zieht derzeit hierhin um!

Die neue Webseite ist schonmal da, der Alpinhundblog wird jetzt Stück für Stück nachziehen. Dann werden hier alle relevanten Meldungen des Bergdales vom ganz frühen Blog des abgeschalteten Portals »Der Airedale Terrier« und vom Zwischenblog auf der alten Webseite zusammengetragen.

Und hoffentlich bekomme ich auch bald das mysteriöse Problem gelöst, dass Verlinkungen im Blog nicht farbig angezeigt werden :-/ Bis dahin müsst Ihr einfach mal ein bisschen mit der Maus in den Texten herumfahren – sie sind da, die Links, versprochen!

Videos, Videos, Videos!

Da wäre ja fast untergegangen, dass ich in Sachen Bewegtbild in den letzten fünf Monaten so einiges angestellt habe – der YouTube-Kanal hat sich um fünf weitere Videos auf jetzt zehn Clips verdoppelt! Neben einem kleinen Ausschnitt, der zeigt, mit welcher Sicherheit, Freude und Routine Luzie bei unserer Juli-Tour eine echt steile, echt rutschige Scharte hinunterturnt, habe ich eine bislang dreiteilige kleine Reihe »Geschickt bleiben im berglosen Alltag« zusammengestellt. Wir zeigen hier, mit welchen Übungen Luzie ihre Geschicklichkeit und Koordination für die Hochtouren beibehält.

Ganz frisch abgedreht ist zudem mein erstes »richtiges« Bloggervideo. Wegen vieler Nachfragen dazu, wie Luzie es unter anderem schafft, sich im Hochgebirge beim kilometerweiten Turnen über Felsbrocken nicht die Haxen zu brechen, erzähle ich mal ein bisschen was über des Hundes mysteriösestes Körperteil, das … jawoll, Hinterbein. Noch ein bisschen ungewohnt, das Format, aber ich hoffe, für viele hilfreich!

Blog in Wartestellung, eine Anfixtour und ein richtig offizieller Artikel

Der Blog wartet weiter wegen der anhaltend superguten Auftragslage – naja, irgendwo muss das Geld schließlich herkommen, damit einem der Alpinhund nicht die Haare vom Kopf frisst und wir weiter Touren machen können. Aber es ist einiges passiert in der Zwischenzeit!

Diesen Sommer haben wir, abweichend von unserem üblichen Frühherbstschema, eine kleine Juli-Tour eingeschoben, um den schon bergaffinen Neffen endgültig anzufixen: Zum zwölften Geburtstag haben wir ihm seine allererste Hochtour geschenkt, so richtig mit Seilversicherung, steilen Scharten, einem Gipfel auf 2.845 m und Übernachten auf einer Hütte. Luzie war selbstredend mit dabei, hat aber klar deutlich gemacht, dass die Hochsommertemperaturen so gar nicht im Sinne eines Airedales sind. Trotzdem war es eine tolle Genusstour für alle: für uns zwei Bergfexe, die den Nachwuchs in die richtige Spur bringen konnten; für den Bergdale, der ausreichend Schneefelder gefunden hat; für den Teenager, der einwandfrei sauber durch die Berge geturnt ist; und für die Eltern des Jungbergsteigers, die heldenhaft ihre Höhenangst überwunden haben und die zwei Tage dann doch fast immer genießen konnten – Chapeau!

Die persönlich schönste Nachricht kommt allerdings aus dem Publikationsbereich, denn im aktuellen Heft 28 des Hundemagazins SitzPlatzFuss ist ein achtseitiger Artikel von mir und Luzie erschienen! »Mit dem Hund hinauf bis ganz nach oben« beschreibt auf acht Seiten die Ausbildung von Luzie, Grundlegendes zum Hund am Berg, gibt Tipps und nimmt Euch mit auf eine unserer Touren. Der Artikel ist natürlich voll bebildert – und vom Cadmos Verlag grafisch ganz toll gesetzt.

Wann ist ein Veteran ein Veteran?

Veteran – das klingt so … alt. Als ich kürzlich meine frischgebackene achtjährige Luzie, meinen mantrailenden Bergdale, zum zweiten Mal in ihrem Leben ausstellen wollte, war aber von vorneherein klar: Sie wird in der Veteranenklasse an den Start gehen. Es ist die Klasse für die ältesten Hunde, also die „Oldieklasse“, wenn man so will, und das für alle Rassen – ganz egal, ob für Airedales mit ihrer realistischen Lebenserwartung von vielleicht 13 Jahren, für Foxterrier, die gerne auch mal doppelt so alt werden können, oder die Irischen Wolfshunde, bei denen mit acht die meisten bereits tot sind. Als erwachsene Hündin dürfte ich Luzie zwar rein theoretisch auch in der Offene Klasse melden, wo noch die „richtigen“ Formwertnoten – V(orzüglich), S(ehr)G(ut) und so weiter – vergeben werden, aber dort tummeln sich meist besonders viele Hündinnen – eben alle erwachsenen von zwei bis sieben Jahren, die nicht schon einen Championtitel der Erwachsenen in der Tasche haben.

Nun hat Luzie ein am Rassestandard gemessen nicht ganz optimales Fell und ich wenig Erfahrung im Selbst-Ausstellen, also hätten wir in der Offenen Klasse gegen all die versierten anderen Austeller kaum eine Chance auf einen Blumentopf. Die Veteranenklasse dagegen ist meist überhaupt nicht besetzt. Hier bekommt man eine richterliche Beurteilung wie in allen anderen Klassen auch, aber keine Formwertnote mehr, sondern nur noch eine Platzierung. Und man hat unabhängig von den anderen Hunden eine eigene Championwertung, den Veteranenchampion.

Da stehe ich nun also mit meiner Gerade-eben-Veteranin, die ich in wochenlanger, mühseliger Rupferei und der Profiunterstützung ihrer Züchterin ganz passabel hergerichtet habe, im Ring vor der Richterin – und mein Hund freut sich und springt rum wie ein Teenager. Sehr zum Entzücken der Richterin übrigens, die offensichtlich über eine gehörige Portion Humor verfügt. Sie lobt die Frische, Energie und körperliche Fitness von Luzie – die bekommt eine sehr tolle Beurteilung, alle Championtitel-Anwartschaften, und den 1. Platz. Bei einem Starter, aber egal!

Ich bin trotzdem überglücklich – über die Beurteilung, dass sich die Arbeit gelohnt hat, dass Luzie Spaß an den Runden im Ring hatte, obwohl die Wochen des stundenlangen Trimmens ihr sicherlich auf die Nerven gegangen sind, dass es vorbei ist, meine Anspannung endlich nachlässt. Ich lobe sie überschwänglich und bringe sie zurück zum Unterstand. Es wird Nachmittag werden, bis es in den Ehrenring des „Besten Veterans der Show“ geht. Und ich so sinniere vor mich hin.

Bergdale - AlpinhundblogAxel war neun Jahre alt, als er bei mir einzog. Ein Jahr älter als Luzie jetzt. Alle Welt erklärte mich damals für verrückt, „so einen alten Hund“ aus dem Tierheim zu holen. Wie unfair gegenüber dem eben nicht mehr blutjungen Airedale! Dabei war er noch lange Zeit sehr fit. Bereut habe ich es nie, keinen Tag der sechs Jahre, die wir zusammen hatten, auch nicht, als er Medikamente brauchte und ich ihm mit damals für Hunde noch ungebräuchlichen physiotherapeutischen Mitteln seine Leiden linderte. Natürlich denke ich bei den vielen positiven Erfahrungen mit Axel nicht negativ an ihn zurück – und er ist ja auch der Grund, warum heute Airedale Luzie bei mir ist.

Sicher habe ich inzwischen schon mehrfach darüber nachgedacht, wie viele Alpensommer mein Bergdale und ich noch im Hochgebirge haben werden. Einen, zwei? Oder drei? Axel hatte noch mit 14 Bergwanderungen gemacht, aber das waren keine harten Hochtouren wie das, was Luzie mit uns anpackt. Axel war zäh, hatte enormen Lebenswillen, aber auch Arthrose und Spondylose. Luzie ist vielleicht noch zäher, hat eine unendlich fröhliche Lebensenergie, aber nach einem Autounfall und vielen Operationen auch ein paar Organe weniger und ist durchzogen von Narbengewebe. Sie ist neugierig, überschäumend und gelenkig wie immer, ist im Berg noch genauso wenig zu bremsen wie früher, aber sie liegt seit diesem Jahr auch immer wieder einmal vor dem prasselnden Kamin oder in der prallen Sonne. Als würden ihre älter werdenden Knochen die Wärme suchen, dabei liebt sie die noch immer genauso wenig wie früher.

Ja, sie verändert sich langsam. Wie viele Jahre ihr von ihrer genetischen Veranlagung her mitgegeben wurden, ob es so überdurchschnittlich viele sind wie bei Axel, das weiß ich nicht. Sie hat wahrlich bereits enormes Durchhaltevermögen bewiesen, erbringt noch immer keinesfalls alltägliche Leistunngen und hat sich höchste Anerkennung verdient. Von daher gesehen ist sie wie ein Soldat nach überstandenen Einsatzjahren, ja, eine Veteranin. Aber alt? Nein, das ist sie noch lange nicht, auch wenn sich in der Veteranenklasse die ältesten Hunde treffen. Alt wird sie sein, wenn ihr im Alltag sichtbar die Kraft schwindet, die Sinne nachlassen und sie nicht mehr mit auf Hochtour will oder kann. Zwingen jedoch werde ich sie zu nichts – dann machen wir eben nicht mehr die großen Touren, sondern kleinere zusammen.

Es ist Zeit für den Ehrenring. Ich kämme Luzie kurz auf, und laufe mit ihr mit der Befürchtung zum Ring, dass sie es langweilen wird, wie heute Vormittag nochmal ihre Kreise im Viereck zu ziehen. Dass sie in ihren alltäglichen Das-ist-öde-ich-latsche-so-vor-mich-hin-Passgang verfallen wird, der natürlich bei einer Ausstellung so gar nichts zu suchen hat. Und was macht meine Bergveteranin? Sie spielt, ohne dass ich sie irgendwie motiviert hätte, genauso die Rampensau wie damals, als wir in der Welpenstunde von außen die verzückten „Ohs“ und „Ahs“ hörten, wenn sie merkte, dass alle sie ansahen, und sie sich in Positur warf. Ich könnte heulen vor Dankbarkeit für diesen Hund, der freudig bei allem mitzieht, was mir Spaß macht, und mir heute den allerersten Pokal meines Lebens auf den Kaminsims zaubert: Bester Veteran der Show. Mein bester Hund von allen, egal in welchem Alter. Als Welpe, der die Welt kennenlernt; als Erwachsene, die abgeklärt im vollen Saft steht; als Veteranin, die gestanden weiß, worauf es wann ankommt; und irgendwann dann auch als Oldie, der ich dann gerne die Alterszipperleins lindern helfen werde.

Die Rhön ist schön – und Luzie auch!

Dies ist wohl das Jahr der ungewöhnlichen Aktivitäten für den Bergdale: Statt Hochgebirge hieß es für uns ja Ende Mai zur Abwechslung Grenzwanderung im Mittelgebirge. Und was soll ich sagen – das war so schön, dass wir da sicher weiterlaufen werden und ich statt eines kleinen Blogeintrags darüber unbedingt einen ausgewachsenen, richtig offiziellen Artikel schreiben musste! Zum Weiterlesen hier entlang.

Aber nicht nur die Rhön ist sprichwörtlich schön, sondern auch Luzie – ich hatte es Anfang des Jahres ja bereits angedeutet, dass ich mit dem Gedanken spiele, sie nach ihrem achten Geburtstag Anfang Mai mal in der Veteranenklasse auszustellen. Nun bin ich ja in der OG Mittelhessen des Klub für Terrier aktiv, und weil wir unsere Ausstellung in diesem Jahr nicht wie gewohnt im Februar machen konnten, sondern auf den Juli ausgewichen waren, habe ich die letzten Wochen fleißig weitergerupft. Was soll ich sagen – mit der Unterstützung von Luzies Züchterin an den richtigen Stellen ist das hier dabei rausgekommen …

Bergdale - der Alpinhundblog

Veteranenklasse gewonnen, und Luzie hat den Pokal für den besten Veteran der Ausstellung bekommen! Der allererste Pokal, den ich in meinem Leben auf den Kaminsims stellen kann. Meine kleine Heldin ♥ Unabhängig von dem schnöden Mammon hat mich jedoch am allermeisten das Urteil der Richterin gefreut, die selbst Welsh Terrier züchtet. Die Bewertung auf dem Richterbogen war schon mal super, aber sie war vor allen Dingen begeistert, wie frisch, locker, motiviert und körperlich fit meine “Veteranin” ist.

Jaja, die Veteranen. Klingt wirklich unpassend, wenn ich Luzie so ansehe, obwohl sie sich natürlich schon verändert hat. Aber das ist Stoff für den nächsten Blogeintrag.

The Alpinedale comes home – sozusagen

Noch bevor wir in diesem Jahr irgendwas Berg- oder Trekkingartiges unternehmen und endlich Steine, Erde und Gras unter unseren Füßen und Pfoten zu spüren bekommen, bewegt sich an der Veröffentlichungsfront etwas – und zwar Richtung Großbritannien, des Airedales Heimatland: Seit Kurzem gibt es auch dort den Alpinhundkalender!

Dieses Jahr backen wir kleinere Berge

Die Tourenplanung ist immer eine wunderschöne Zeit – der Kopf voller Ideen, was man immer schon mal laufen wollte, die Zeitplaner von zwei Leuten in der Hand mit der Frage, wann man gemeinsam Urlaub bekommen kann, und das alles am prasselnden Kaminfeuer bei einer guten Flasche Wein. Da fallen die geistigen Höhenflüge über gletscherbedeckte Alpenkämme nicht schwer. Man riecht die Bergluft, hört das Klimpern der Ausrüstung, spürt das Schnaufen in den Lungen beim Aufstieg – und die Freiheit im Sein, so weit weg von der gewohnten Zivilisation.

Bergdale - der Alpinhundblog

Dieses Jahr aber wird alles anders. Uns gefallen ja nicht nur die Alpen, und schon lange wollten wir einen der großen Fernwanderwege beginnen. Wir folgen daher wir gewissermaßen dem “Downsizing”-Trend, zumindest was die Höhe der Berge angeht: Wir wollen anfangen mit dem Laufen des deutschen Teils vom …

Grünen Band! Dieser auf eine Naturschutzinitiative hin entstandene Ultra-Fernwanderweg mit einer Länge von mehr als 12.500 km verläuft auf dem in weiten Teilen naturbelassenen Eisernen Vorhang, der früher den Westen vom Osten abgrenzte. Das Band verläuft von Nordfinnland durch 24 Länder hindurch bis hinunter nach Griechenland. Ich kann gar nicht sagen, wie verlockend ich es fände, die ganze Strecke … nein, nein, nein, das lassen die Arbeitgeber und andere Verpflichtungen, die wir mehr oder weniger freiwillig eingegangen sind, nicht zu. Naja, vielleicht noch nicht. Zunächst jedenfalls wollen wir uns das Grüne Band Deutschland vorknöpfen, mit 1.400 km Gesamtlänge ja nun auch nicht gerade ein Sonntagnachmittagspaziergang.

Bergdale - der Alpinhundblog

Gestern ist endlich die druckfrisch erschienene Neuauflage des Wanderführers von Reiner Cornelius mit der Post eingetrudelt, und wir können mit der Routenplanung loslegen. Ich bin gespannt, wo uns der Urlaub hinführt, denn bisher kenne ich die ehemalige deutsch-deutsche Grenze nur von den zahlreichen Besuchen bei unseren Verwandten in der damaligen DDR.

Jede Grenzüberfahrt war für mich als Kind ein beeindruckend-gruseliges Mini-Abenteuer, flankiert von schwer bewaffneten Grenzern, die uns im freundlichkeitsbefreiten Befehlston unser Auto auspacken ließen und anschließend halb auseinandernahmen. Dass ich die gleiche (Ex-)Grenze jetzt entlangwandern kann, umgeben von Natur, gemeinsam mit meinem Partner und unserem Bergdale, der für diesen Sommer zum Trekkingdale wird, das ist damit so etwas wie meine ganz eigene, dankbare Form von “Schwertern zu Pflugscharen”!

Ich freue mich aber auch besonders darauf, Schritt für Schritt die wechselnden Regionen zu erlaufen. Wenn auch nicht auf einmal, so doch aber hoffentlich irgendwann ganz. Und dann vielleicht doch noch den europäischen Gesamtweg … damit würden wir auch dann zwar kleinere Berge backen, aber auf jeden Fall längere. Sehr viel längere.