Ein neuer Bergdale-Kalender ist da – „Berg-Hunde-Sport“!

Ein neuer Bergdale-Kalender ist da – „Berg-Hunde-Sport“!

Der letzte Bergdale-Kalender ist schon lange her, und die vergangenen eineinhalb Jahre waren ja sehr von der Sorge um Luzie und dem Kümmern um sie geprägt. Fotos rückten in den Hintergrund. Gerade die Bilder von unserem letzten Tourensommer 2018, die ich mit Blick auf den im „working-dog magazin“ erschienenen Artikel ‚Wo täglich das Murmeltier grüßt. Mit ausgebildetem Bergbegleithund auf alpinen Hochtouren‘ gemacht hatte, lagen nur noch ungenutzt herum. Nicht einmal der Artikel selbst ist noch erhältlich, denn das Magazin ist zwischenzeitlich eingestellt worden – leider, denn an der unangefochtenen Qualität dieser Fachzeitschrift lag es nun wirklich nicht.

Was macht man also, wenn man seinen Hund so endlos vermisst und „dank“ Corona auch nicht einmal dazu kommt, hundelose Hochtouren zu machen? Ich habe mich tief in den Bergdale-Fotos vergraben, vor allem denen von unserer letzten Tour – und als Reminiszenz an meine so sehr fehlende, vierbeinige Tourenpartnerin einen neuen Bergdale-Kalender zusammengestellt: „Berg-Hunde-Sport“! Und auch wenn ich bei jedem einzelnen Bild unwillkürlich denke, dass es ein weiter Weg wird, bis der oder die Nachfolger/in so intuitiv durch die Berge turnt und unser Mensch-Hund-Team so komplettiert, wie Luzie es konnte, so freue ich mich jeden Tag ein bisschen mehr über die Erinnerungen an „meine Süße“, die ich dankbar wie einen Schatz hüte.

Hier geht es zum Kalender, der in Kürze auch über den gesamten Buchhandel erhältlich ist: https://www.calvendo.de/galerie/berg-hunde-sport/

 

Der Bergdale ist zu seiner letzten Tour aufgebrochen

Der Bergdale ist zu seiner letzten Tour aufgebrochen

Wie schreibt man das? Einen Nachruf auf den besten aller Hunde, Airedales, Bergdales? Generell „meine Beste“, wie ich Luzie mit den Jahren immer öfter genannt habe? Vielleicht einfach von vorn.

Die vergangenen zweieinhalb Monate

Wie ich im letzten Blogbeitrag Ende Juni geschrieben hatte, haben die Alterserscheinungen langsam angefangen, Ernst zu machen, und sie hatte inoperablen Krebs. Ihr wirklich sehr, sehr guter Tierarzt hatte bereits Anfang des Jahres nichts mehr für sie tun können, damals hätte sie vielleicht noch zwei Monate gehabt. Erfahrene Onkologiespezialisten konnten den Tumor zum Stillstand bringen und damit noch ein weiteres halbes Jahr sehr lebenswerten Lebens oben draufpacken – und auch wir haben davon jede Sekunde genutzt und genossen.

Im August haben Augen und Ohren dann extrem nachgelassen, und zeitgleich hat die Krebsmedikation ihre Wirkung verloren. Bis zum letzten Abend hat Luzie mit Genuss gefressen, zum Gassigehen vom Grundstück heruntergedrängelt und unterwegs stur und vehement ihr Bällchen eingefordert – alles im verlangsamten Tempo des alten Hundes. Am Morgen des 8. September hat ihr Körper dann aufgegeben, und zusammen mit dem Tierarzt ihres Vertrauens haben wir sie auf die Reise geschickt, um ihr stundenlanges Leiden zu ersparen. Begraben haben wir sie an einem der schönsten Plätze der Welt, wo sie selbst immer gern war und umgeben ist von anderen Hunden der Familie.

Wie geht es nun weiter?

Nun sitze ich hier und kann – will – mir nicht vorstellen, wie es ohne Luzie sein soll. Hier zu Hause nicht, am Berg nicht. Sie fehlt überall und in jedem Moment. Immer war sie dabei gewesen, seit Juli 2008, bei allem, was wir in den Bergen und außerhalb erlebt haben. Jemandem, der Hunde hat, brauche ich nicht zu erzählen, wie es ist, wenn man die Kühlschranktür öffnet und sich hinter dem Rücken nicht wie von Geisterhand ein Hund materialisiert, der bis eine Millisekunde zuvor noch in einem anderen Stockwerk tiefschlafend lautstark geschnarcht hat. Oder wenn man in eine leere, stille Wohnung nach Hause kommt. Oder man gedankenlos weggehen kann, egal wie lang. Oder, oder.

Oder wie es ist, eine Bergtour ohne unser eingespieltes Dreierteam zu planen. Der Gedanke, unbekannte Wege zu entdecken oder die bekannten Wege zu begehen und auf „unseren“ Hütten anzukommen, bei Wirtsleuten, die uns lange kennen, und sich darauf zu freuen, ohne Luzie, gibt mir im Moment das Gefühl, eine Verräterin zu sein. Das wird alles noch eine Zeit brauchen.

Auf der anderen Seite hat es natürlich schon länger den ein oder anderen Gedanken daran gegeben, wie es sein wird, den nächsten Bergdale auszubilden: Wo es Trainingsmöglichkeiten gibt, wie wir neue gestalten können, was wir wieder genauso machen, was anders – die ersten Ideen sind gesammelt. Aber jetzt kann ich nur sagen: jetzt noch nicht. Die nächsten Wochen und Monate werden wir uns an das Leben ohne Luzie gewöhnen (müssen), um dann einem anderen Airedale überhaupt eine faire Chance geben zu können. Noch ist das nicht möglich.

Luzie war und ist für mich in meinem Herzen einfach …

… die Süßeste. Sie hatte einfach dieses besonders süße Gesicht, von klein auf. Bis zum Schluss. Auch dieses unglaublich süße Kopf-Schief-Legen. Und dabei stehe ich eigentlich gar nicht auf süß.

… die Sonnigste. Sie hatte ein unendlich sonniges Gemüt. Immer gut gelaunt, immer alles weggesteckt, egal wie viele OPs oder was auch immer. Und dabei bin ich selbst oft eher melancholisch veranlagt.

… die Schönste. Sie hatte bis zu ihrem letzten Abend diese Elastik in ihrem harmonischen, zierlichen Körper. So unendlich viel Gummi im Stand und in der Bewegung. Eleganz verpackt in eine Form, die schon ganz schön nah am angepeilten Rasseideal war.

… die Schlaueste. Nicht diesen unbändigen „will to please“ eines Schäferhunds, sondern echtes eigenes Mitdenken und eine unglaubliche soziale Intelligenz innerhalb unseres gemischten Mensch-Hund-Rudels. Wortloses Verständnis in so vielen Situationen – nicht nur von Mensch zu Hund, sondern eben auch von ihr zu uns. Die alles, was sie nicht kannte, mit der Nase angestupst und, neugierig-beobachtend, mit großem Bedacht untersucht hat.

… die Geschickteste. Wer sie im Berg erlebt hat, hätte meinen können, am Airedale seien Steinböcke beteiligt gewesen. Ein körperliches Vermögen und eine mentale Lust auf die Bewegung in drei Dimensionen und auf allen Untergründen, dass einem die Spucke wegbleiben konnte.

… die Zäheste. Bei unserem erfahrenen Tierarzt hält sie den OP-High Score. Mit großem Abstand. Zehn Wochen nach ihrem schweren Unfall, bei dem sie unter anderem die Milz und eine Niere verlor, begleitete sie uns begeistert und problemlos auf einer schweren mehrtägigen Bergtour. Nie hat sie geklagt oder gezaudert (s. „die Sonnigste“). Und nicht ein einziges Mal brauchte sie einen Trichter, um Verbände oder Nähte in Ruhe zu lassen. Nicht nachts, nicht wenn sie allein war.

… die Verfressenste. Dieser Hund hatte immer Hunger, auf alles. Nie stand zur Diskussion, „ob“ sie fressen würde, auch nicht nach OPs, Unfällen, sonstwas. Die Frage war nur: Wann gibt es was, wie oft und wird es genug sein?

… die Bekloppteste. Ich sag nur – Bällchenwahnsinn. So war sie „privat“, wenn sie nicht in den Bergen rumturnte. Frei nach dem Motto: Ein Leben ohne Bällchen ist möglich, aber sinnlos. Für ihr Bällchen hätte sie wohl ihre Mutter verkauft. Übrigens auch für Käse (s. „die Verfressenste“). Ach ja, und getaucht ist sie auch.

… die Beschützendste. So süß, so freudig gegenüber Boten, die ja etwas bringen – so kompromisslos wachsam war sie vor allem nachts. Mit ihr brauchte man keine Angst haben. Es sei denn, man war Einbrecher oder führte Böses im Schilde.

… die Beruhigendste. Ihre unerschütterliche Präsenz, das unaufdringliche Kontaktliegen. Nichts hatte eine beruhigendere Wirkung auf mich als Luzie. Und – Hundemenschen erzähle ich da nichts Neues – die Gerüche und Geräusche eines Hundes im Hintergrund. Und ja, der Airedale ist „gesprächig“.

… die, für die ich meine Hand ins Feuer gelegt habe. Ob bei Wildkontakt, neugeborenen Säuglingen, älteren Kindern, Uropas, bei mir selbst oder bei anderen Hunden. Ob zu Hause, im Auto oder in fremden Hotels. Immer. Ohne Verbrennungen.

Also: die Beste. So einfach ist das.

 

  

 

Luzie und die Bergdale-Seite auf Facebook
https://www.facebook.com/der.Bergdale

Luzie und der Bergdale-Kanal auf YouTube
https://www.youtube.com/user/alpinedale

Luzie als Model auf Kalendern, Leinwanddrucken und Puzzlen
https://www.calvendo.net/de/autor/Antje-Becker?page=0&sessid=978219&languages=DE&sort=relevance

Luzie im working-dog-Portal
https://www.working-dog.com/dogs-details/183643/Up-She-Goes-von-der-Locher-M%C3%BChle

 

Zum ganzen Video mit Ton und spektakulären Touren hier entlang!

Große Pfotenabdrücke

Bergdale FitnessIn diesem Jahr waren Bergtouren bisher nicht nur jahreszeitbedingt kein Thema, da das neuartige Coronavirus ohnehin alles blockiert hat. So langsam öffnen nun wieder die Grenzen und auch die Berghütten, wenn auch weiterhin mit Einschränkungen – doch für uns wird es 2020 keine Touren mit Hund geben: Der Bergdale ist auf dem Altenteil. Was eigentlich kein Wunder ist, da Luzie Anfang Mai ihren zwölften Geburtstag gefeiert hat – und Airedales werden typischerweise etwa zwölf bis 13 Jahre alt, mehr ist nicht die Regel. Dabei ist auch kein Wunder, dass sie noch vor zwei Jahren ordentliche Hochtouren mit uns gemacht hat, denn Airedales bleiben häufig lange fit und altern dann sehr schnell. Und doch ist es ein kleines Wunder, dass Luzie ein so normales Alter erreicht hat.

Wer sie von früher aus zwei Airedale-Foren kennt, weiß um ihre Geschichte: Mit drei Jahren wurde sie bei einem Unfall von einem Auto überrollt. Luzie verlor die Milz und eine Niere und hatte weitere Verletzungen, die sie nur mit wahnsinnig viel Glück und  kompromissloser Zähigkeit überlebte. Dank ihres schier unendlich sonnigen Gemüts steckte sie alle Verletzungen, Erkrankungen und Operationen immer wieder weg, als sei das alles das Normalste der Welt. Glücklicherweise verträgt sie alle Medikamente und ignoriert Verbände und Nähte – sie braucht keinen Trichter. Seit der ersten Operation nach dem Unfall hatte sie über die Jahre weitere neun schwere chirurgische Eingriffe; knapp die Hälfte davon indirekte Unfallfolgen wie ein perforierter Dünndarm, der Rest andere unschöne Dinge wie eine Pyometra oder ein Mammatumor. Insgesamt vier Mal hatte sie Krebs, und den letzten, jetzt, wird sie nicht mehr loswerden.

Bergdale SonnenanbeterinAlso pflegen und betüddeln wir unsere Alpin-Rentnerin, lassen ihr die medizinische Behandlung zukommen, die ihr am Besten tut, und versuchen, unsere gemeinsame Zeit zu genießen, so viel es geht. Die vielen kleinen und auch nicht so kleinen Dinge, die bei anderen Hunden so schleichend schlechter werden, wenn sie altern, dass man es kaum bemerkt, haben Luzie ziemlich holterdiepolter eingeholt. Langsamer ist sie geworden, Augen und Ohren haben ein bisschen nachgelassen, die Rute ist steifer, und nach ihrem heißgeliebten Bällchen rennt sie zwar immer noch – das mit den wilden Sprüngen beim Fangen ist aber deutlich zahmer geworden. Und während sie inzwischen eine Meisterin darin geworden ist, auf den Punkt Sonnenenergie zu tanken, haben sich andere Dinge kein bisschen geändert: ihr unerschütterlicher Hunger und ihr fröhlicher, verschmitzter Humor. Hildegard und Loriot lassen grüßen.

Bergdale HumorAuch wenn nach ihrem Unfall keiner der medizinischen Experten geglaubt hätte, dass Luzie derartige körperliche Leistungen bringen würde, wie sie es im Berg getan hat, und dass sie einmal so alt werden würde, wie sie heute ist, und wir für beides einfach nur unendlich dankbar sind: Wie gern würden wir sie ewig bei uns haben! Dass das nicht geht beziehungsweise wir ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch die Erinnerung an sie haben werden, tut neben aller Dankbarkeit so weh. Dass wir dann wieder einen Bergdale werden ausbilden müssen (oder dürfen), wirkt im Moment entsprechend wenig erfreulich. Wir konzentrieren uns auf die Zeit, die wir gemeinsam haben, und machen sie uns so schön es irgend geht.

Bergdale EdelweissDa unser Bergdale jetzt nicht mehr in die Berge kommt, die sie zusammen mit uns über so viele Jahre so sehr genossen hat, haben wir zum Beispiel die Berge ein bisschen in den eigenen Garten geholt: Kurze, steinige Wegpassagen auf unserem kleinen Südhang haben wir schon vor Jahren gebaut, und jetzt blüht dort auch dieses prachtvolle Edelweiß (selbstredend eine legal erhältliche Zuchtform). Durch viele Beete pflügt Luzie ohne Rücksicht auf Verluste hindurch, vor allem dann, wenn sie sich ihrer wichtigen Grundstücksbewachungsaufgabe widmen muss. Um das Edelweiß aber scheint sie einen ehrfürchtigen Bogen zu machen – es würde mich nicht wundern, wenn sie sich, wie so oft, unser Verhalten im Berg abgeschaut hätte: Zu der kleinen, streng geschützten Symbolblume der Alpenvereine mit den charakteristischen Blüten halten wir immer Abstand. 

Ich schaue auf meine langjährige Tourenpartnerin, und eines weiß ich jetzt schon, auch wenn ich ihn noch nicht kenne: Der nächste Bergdale wird sehr, sehr große Pfotenabdrücke zu füllen haben.

Hier wacht der Bergdale!

Seit Längerem ist es sehr ruhig um Luzie – leider aus gutem Grund, denn der Bergdale mit seinen bald zwölf Jahren ist einerseits alpintechnisch in Rente, andererseits ist das vierbeinige Mitglied unserer Hochtourenseilschaft nicht gesund. Aber davon ein andernmal ausführlich.

Hier wacht der Bergdale Heute kam nämlich Post von PetSigns, der Tierschilder-Manufaktur.* Dort hatte ich – endlich! – ein Warnschild für unser Grundstückstor in Druck gegeben, damit nicht immer wieder verwirrte Lieferfahrer auf der Suche nach einer Haustür und Klingel (die sie am Gartentor geflissentlich übersehen) auf’s Grundstück taumeln, um postwendend vor dem inbrünstig wachenden Bergdale Reißaus zu nehmen. Und natürlich das Gartentor dabei offenstehen zu lassen. Wie schlau. Luzie nimmt aber ihre Bewachungsaufgabe ausgesprochen ernst, egal, wie süß sie gucken kann!

Jedenfalls bin ich mit dem Schild äußerst glücklich. Großes Lob an das Tierschilder-Team! Top Beratung, super Druckqualität. Und Luzie scheint nicht minder zufrieden.

 

* Für die Erwähnung und den Link bekomme ich weder Geld noch sonstige Vorteile. Ich bin einfach nur eine echt zufriedene Kundin!

Ein großer Fachmagazin-Verlust

Das hat mich kalt erwischt – das working-dog-Magazin ist eingestellt worden! Welch ein Verlust. Es war eine der wenigen ernstzunehmenden, inhaltlich gewichtigen Fachmagazine im Hundebereich, das einzige mit dem Schwerpunkt auf Sport, und es ging weit über die klassischen Hundesportarten hinaus. Neben allen möglichen ungewöhnlichen Hundesportarten – auch so etwas wie Bergsteigen mit Hund – waren Rubriken wie Verhalten, Erziehung, Gesundheit, Ernährung oder Rasseporträts nur einige der weiteren festen Bestandteile.

Das Einstampfen hatte wohl interne Gründe. Umso schlimmer, wenn ein nicht nur vielversprechendes, sondern auch erfolgreiches Konzept so nicht mehr die interessierten Hundeleute erreicht.

Murmeltiere grüßen Hundesportler

Bergdale Artikel 2019 - Anforderungen und Ausbildung

Seit einiger Zeit schreibe ich ja immer mal Artikel für die Hundesportzeitschrift »working dog Magazin«. Entgegen der ursprünglichen Ausrichtung des vielen Hundehaltern bekannten Portals »working dog«, das sich fast nur um die klassischen Hundesportarten wie den Gebrauchshundesport, Fährte und Obedience drehte, beschäftigt sich das Magazin mit allem, was man sportlich mit seinem Hund machen kann – egal, ob mit oder ohne »richtige« Wettkämpfe oder Prüfungen. Daneben bietet es aber auch ausführliche Rubriken zu Gesundheit, Wesen, Ernährung, Zucht oder Erziehung.

Da ich mit Luzie nach der Ausdauer- und Begleithundprüfung aus dem Hundeplatzsport ausgestiegen bin und wir uns ganz auf die Berge und das Mantrailen ohne Prüfungsambitionen konzentriert haben, finden sich meine Artikel normalerweise in den nicht-sportlichen Rubriken. Beim aktuellen Heft aber ist alles anders!

Bergdale Artikel 2019 - Anforderungen und Ausbildung

Jetzt habe ich einen langen Artikel über die Anforderungen an und Ausbildung eines alpinen Begleithunds verfasst – brandaktuell bebildert von der Tour im vergangenen Sommer, auf der ich gezielt mit dem Artikel im Hinterkopf fotografiert hatte. Und damit grüßen uns die Murmeltiere jetzt nicht nur in den Bergen und zu Hause auf dem Handy, sondern auch gedruckt alle Hundesportlerleser!

Becker, Antje (2019). ›Wo täglich das Murmeltier grüßt. Mit ausgebildetem Bergbegleithund auf alpinen Hochtouren‹. working-dog-Magazin 8 (1/2019): 138-144. Inklusive Fotos.

Vier Jahreszeiten an sechs Tourentagen

 

Bergdale Hochtouren 2018 - malerischer hochalpiner HauptkammIm Frühsommer sind wir nur selten auf Hochtouren unterwegs: zu viel Schnee vom Winter übrig, Wetter oft nicht so stabil wie im September, bei frühem Schulferienbeginn schnell mal zu volle Hütten, um mit Hund unterzukommen. Dieses Jahr aber haben wir es mal getan – und es hat schon alles ziemlich gut gepasst in dieser zweiten Junihälfte. Was hatten wir für Touren!

Auf der ersten, die uns zu unserer »Haushütte«, über eine für uns neue Scharte mit Steig im Steilgelände und sogar einem Fixseil (!) hinüber zu einem Berghotel und dann auf einen alten Jägerpfad führt, ist das Wetter zunächst so, wie man sich das in einem Juni vorstellt: Sonne, etwas Altschnee, dekorative Wölkchen.

Bergdale Hochtouren 2018 - seilversicherter Steig im AbsturzgeländeAbgesehen davon, dass es für unseren – und Luzies – Geschmack etwas arg warm ist, sind die Bedingungen und die Route einfach toll! Mit den Wolken und Schneefeldern lassen sich besonders malerische Fotos machen, alles grünt und frühlingsblüht, es sind noch wenige Leute unterwegs, und auf der herzlichen Hütte werden wir von den vertrauten Gesichtern empfangen wie Freunde. Es ist, als käme man nach einem langen, anstrengenden Arbeitsjahr nach Hause und kann nun endlich entspannen. Am nächsten Tag ist ein schwieriger Steig mit anschließendem, fixseilversichertem Altschneefeld von gut 50° Neigung sehr nach unserem Geschmack – und ganz besonders nach dem von Luzie, als es in der Auslaufzone vor dem Blockgelände flacher wird und sie im aufweichenden, pfotenkühlenden Schnee mit voller Kraft voraus bergab Gas geben darf!

Bergdale Hochtouren 2018 - Downhillracing im AltschneefeldNach dem Berghotel, in dem ich als Hochtourengeherin mich doch etwas fremd fühle und die kleinen, einfachen, »echten« Hütten vermisse, führt uns unsere Route über einen abenteuerlichen Jägerpfad durch einen verwunschen schönen Rothirschwald zurück in die Zivilisation. Irgendwie ist es immer ein Kulturschock, wenn man aus dem stillen, wilden Hochgebirge zurückkehrt, auch wenn man in bewohnten Regionen eigentlich zuhause ist und sie von oben über weite Strecken im Blick hat.

Apropos von oben: Bergdale Hochtouren 2018 - HüttentransporteAls Motto hätte man diese erste Tour auch unter den Begriff »Heli« stellen können, denn immer wieder hallen stundenlang die Rotorengeräusche von Flugtransporten durch die Täler. Viele Berghütten öffnen im Lauf der zweiten Junihälfte und benötigen zu Saisonbeginn die Grundausstattung, und vielerorts weit oben ist jetzt die Zeit, um das kurze Sommerfenster zu nutzen und Baumaßnahmen zu beginnen. Ein ziemliches Spektakel und sehr beeindruckend – für uns die Männer, wie sie Runde um Runde schwere Ladungen an das Lastenseil des über ihnen in der Luft stehenden Helis einhängen, und für die Männer unser Hochtourenbegleithund Luzie mit ihrem Abseilgeschirr und manchmal den Pfotenschuhen.

Wetterbedingt beschließen wir, nach nur einem Pausentag gleich wieder aufzubrechen. Eine Kaltfront mit stürmischen Winden und Niederschlag wird aufziehen. Wir wollen eine weitere dreitägige Tour durch zwei uns völlig neue Täler am Alpenhauptkamm genießen, lernen neue, ebenso herzliche Hüttenwirtsleute kennen – und müssen doch wieder einmal einen 3.000er unbesucht lassen.

Bergdale Hochtouren 2018 - Schneesturm auf knapp 3000 mSchon in der ersten Nacht schneit es bis auf 2.200 m hinunter. Bis zur Scharte, dem Übergang zum Nachbartal, sind die Bedingungen nicht einfach, aber dick eingepackt, angemessen ausgerüstet und mit der vorhandenen Erfahrung recht problemlos. Dort geht ein Stichweg hinauf zum Gipfel – doch der Grat ist flächig vereist. Zusammen mit den stürmischen Böen und dem Schneefall wäre ein Gipfelversuch lebensgefährlich und schlicht leichtsinnig. Also begnügen wir uns mit ein paar Fotos auf der windumtosten Scharte kurz unterhalb der 3.000-m-Marke. Es ist so kalt, dass Luzie, die Kälte liebt und unter Mittelgebirgs-Winterbedingungen keinen extra Schutz braucht, mit ihrem Fleecemantel unter dem Abseilgeschirr sehr zufrieden dreinblickt. Sie dreht die Nase in den Wind und lässt die Ohren fliegen – und scheint dabei zu lächeln.

Im Abstieg zum Nachbartal lauern dann durch Schmelzharsch unerwartet harte, sehr steile Schneefelder, die wir queren müssen. Ohne Steigeisen und Pickel, von denen uns für diese Tour abgeraten worden war, verlangt uns das technisch jetzt alles ab, und Luzie kann kaum von ihren eingebauten Spikes profitieren: Ihre Krallen sind auf der betonharten Oberfläche nutzlos. Aber mit der nötigen Geduld kommen wir gut hinüber und sind bald auch aus dem Eisschlagbereich heraus, der durch die inzwischen auf über 0 Grad steigenden Tagestemperaturen gefährlich wird.

Bergdale Hochtouren 2018 - putzige WildtiereAuf der nächsten Hütte wird es dann doch noch einmal aufregend aus einem ganz anderen, sehr pelzigen Grund: Horden von Murmeltieren kommen völlig unerschrocken bis auf 5 m heran. Zeit, Luzie ihrem Herrchen in die Hand zu drücken und die Kamera zu zücken …

Im Abstieg an Tag drei regnet es ganz unspektakulär. In der Nacht ist die Schneefallgrenze noch einmal weiter gesunken, und wir sind froh, diese zweite Tour vorgezogen zu haben. Alle drei eingepackt in Regenschutz, trotten wir zurück zum Auto, das im Tal auf uns wartet. Über lange Strecken hängen wir alle unseren eigenen Gedanken nach – über schmerzende Knochen, verlockende Gipfel, die fantastische Tierwelt des Hochgebirges, die Vorzüge einer Sauna mit anschließender Massage und die besonderen Reize ungewöhnlichen Wetters.

Bergdale Hochtouren 2018 - Blick auf Gabler und ReichenspitzeUnd natürlich über die nächsten Touren. Als Hund plant Luzie sicher nicht in die Zukunft, zumindest nicht in abstrakter Form. Manchmal jedoch, wenn wir hoch oben unterwegs sind, schaut sie sich entfernte Hänge, Flanken und Berge an, als würde sie selbst den Aufstiegsweg für eine Tour irgendwann dort drüben suchen. Wird sie am Ende noch größenwahnsinnig und träumt gar vom vergletscherten Gabler, wo sie auch heuer, mit 10 Jahren, noch so genauso gut gelaufen ist wie im letzten Jahr … ?

 

Tourentraining und ein »Runder«

Der Bergdale wird 10Ruhig war es hier die letzten drei Monate – das Nachziehen der früheren Blogeinträge steht hinter der guten Auftragslage zurück. Luzie dagegen läuft ungebremst weiter, ganz ungeachtet ihrer 10 Jahre, die sie erschreckenderweise seit gestern nun schon alt ist. Wie schnell das geht! Erst neulich haben wir doch die erste gemeinsame Bergtour … ? Luzie sind solche Gedanken zum Glück schnurzpiepegal. So ungeguldig sie ihren Geburtstags-Crêpe verschlungen hat, so fit und engagiert wie eh und je ist sie bei den angelaufenene Vorbereitungen auf die Bergtouren des Sommers dabei. Der Bergdale wird 10In diesem Jahr stehen zwei Touren auf dem Programm: eine mit längeren Laufstrecken, möglicher Schnee- und Eispassage und einer fast nicht begangenen Etappe sowie eine zweite mit einem schicken Dreitausender. Gerade diesen haben wir schon lange auf der Liste und hoffen auf einen gnädigen Petrus. Auf den hoffen wir natürlich immer, aber dieses Mal noch ein kleines bisschen mehr – schließlich können wir nicht wissen, wie viele Sommer Luzie uns noch auf Bergtour wird begleiten können. Während wir Menschen – ganz Schreibtischtäter – für diese Touren eher Kondition und Tragkraftt auftrainieren, üben wir mit unserem Bergdale Trittsicherheit, Gleichgewicht und das bewusste Setzen der Hinterbeine. Wichtige Trainingsparcours sind uns dabei gut gesetzte Holzstammlager, möglichst groß, abwechslungsreich, komplex, auch mit glatter Rinde für Traktionsübungen. Auf meinem Lieblingsstapel habe ich ein frisches Video gedreht – viel Spaß beim Gucken!

Der Alpinhundblog zieht derzeit hierhin um!

Die neue Webseite ist schonmal da, der Alpinhundblog wird jetzt Stück für Stück nachziehen. Dann werden hier alle relevanten Meldungen des Bergdales vom ganz frühen Blog des abgeschalteten Portals »Der Airedale Terrier« und vom Zwischenblog auf der alten Webseite zusammengetragen. Und hoffentlich bekomme ich auch bald das mysteriöse Problem gelöst, dass Verlinkungen im Blog nicht farbig angezeigt werden :-/ Bis dahin müsst Ihr einfach mal ein bisschen mit der Maus in den Texten herumfahren – sie sind da, die Links, versprochen!

Videos, Videos, Videos!

Da wäre ja fast untergegangen, dass ich in Sachen Bewegtbild in den letzten fünf Monaten so einiges angestellt habe – der YouTube-Kanal hat sich um fünf weitere Videos auf jetzt zehn Clips verdoppelt! Neben einem kleinen Ausschnitt, der zeigt, mit welcher Sicherheit, Freude und Routine Luzie bei unserer Juli-Tour eine echt steile, echt rutschige Scharte hinunterturnt, habe ich eine bislang dreiteilige kleine Reihe »Geschickt bleiben im berglosen Alltag« zusammengestellt. Wir zeigen hier, mit welchen Übungen Luzie ihre Geschicklichkeit und Koordination für die Hochtouren beibehält. Ganz frisch abgedreht ist zudem mein erstes »richtiges« Bloggervideo. Wegen vieler Nachfragen dazu, wie Luzie es unter anderem schafft, sich im Hochgebirge beim kilometerweiten Turnen über Felsbrocken nicht die Haxen zu brechen, erzähle ich mal ein bisschen was über des Hundes mysteriösestes Körperteil, das … jawoll, Hinterbein. Noch ein bisschen ungewohnt, das Format, aber ich hoffe, für viele hilfreich!