Hochtour 2023, was hatten wir uns gefreut – und dann ist sie mit einem Wort beschrieben: knack. Der Reihe nach.

 

Nach der im vergangenen Jahr ausgefallenen Tour, als im für uns typischen Frühherbst wegen der Trockenheit zahlreiche Hütten vorzeitig geschlossen hatten, hatten wir dieses Jahr eine Fünf-Tages-Tour mit vier Hütten geplant – sicherheitshalber im Frühsommer. Trotz des vielen Restschnees, der von den starken Schneefällen im Mai im Hochgebirge noch lag, war die Route gerade eben gangbar geworden, auch wenn wir auf einigen Etappen wohl hätten spuren müssen. Das zehrt Kräfte und dauert länger, wäre uns als abwechslungsreiche Herausforderung aber sehr willkommen gewesen.

Und das steht da jetzt im Konditional. Die Hütten waren dieses Jahr sehr früh bereits überraschend stark gebucht, sodass wir mit Hund – mit dem wir prinzipiell immer im Voraus reservieren müssen – keine so große Auswahl im Zeitfenster hatten. Glücklicherweise hatte sich die Vorhersage sehr gut entwickelt: Die Hitzelage wurde durch ein Kälteband durchbrochen, darauf sollten einige stabile Schönwettertage mit nicht zu hohen Temperaturen folgen. Perfekt. Lediglich am Aufstiegstag Regen. Egal, das ist ja eh der Pflichttag, die Landschaft wird ja auch erst danach so richtig schön.

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Doch dann hat es uns erwischt. Bisher sind wir – von Schrammen, Prellungen und sonstigem Kleinkram abgesehen – immer gut durch unsere Touren gekommen. Bis zu dem Punkt, an dem einer der Zweibeiner am Aufstiegstag im nassen Glitsch ausrutscht und nicht, wie bisher, glücklich fällt, sondern unglücklich. Zur ersten Hütte laufen wir noch weiter, dann eben nur mit einem Trekkingstock, weil der andere Arm nicht so richtig einsatzfähig ist, um am nächsten Tag wegen stärker werdender Schmerzen abzubrechen, ins Tal abzusteigen und im Krankenhaus die Diagnose zu erhalten: gebrochen.

Puh. Das Wissen, dass so etwas immer und überall passieren kann, und die Erleichterung, dass alles wieder gut verheilen wird, ist natürlich von Enttäuschung begleitet: Die Auf- und Abstiegstage mit ihren langweiligen Fahrwegen sind eher lästige Pflicht und außerdem noch mit kuhreichen Almen gespickt. Durchaus gefährlich mit Hund, auch mit einem, der größten Respekt vor den massigen Hörnertieren hat und selbstverständlich brav bei uns bleibt. Zwischen den Pflichttagen liegen die unvergleichlich viel schöneren Kürtage, an denen es in der atemberaubenden Hochgebirgslandschaft über Scharten und Gipfel von Hütte zu Hütte geht. Mehr als der Auf- und Abstieg sind uns dieses Mal aber nicht vergönnt. Die Plackerei umsonst, ohne die Belohnung ganz oben, ohne die Auszeit vom Alltag, ohne den Kopf freizubekommen von der Arbeit. Arm kaputt, Pläne kaputt – da fällt einem die Freude über den Urlaub spontan nicht mehr so leicht.

Der Bergdale reift

Blogschreiben lenkt ab, wie der lange Text unschwer erkennen lässt, während die durchnässten Sachen im inzwischen strahlenden Sonnenschein in aller Ruhe trocknen können. Viele Fotos zu bearbeiten gibt es wegen des Wetters nun nicht. Von alldem abgesehen mit Blick auf den Bergdale kommt aber dann wieder etwas Freude auf, denn: Loki hat seine (kurze) Sache sensationell gut gemacht!

Wenn ich bedenke, dass er seine letzte (und einzige) Hochtour im Alter von sieben Monaten absolviert hat und das fast zwei Jahre her ist, bin ich höchst zufrieden mit ihm. Alles, was er auf der damaligen Ausbildungsrunde mit den altersbedingt kurzen Tagesetappen (kennen)gelernt hatte, hat jetzt ohne Auffrischung einwandfrei geklappt:

  • trittsicheres Gehen im Block- und anderem unwegsamem Gelände – absolut perfekt
  • Bachquerung über breite oder schmale Balken – ohne zu zögern sogar dann, wenn bei luftigen, leiterähnlichen Tritten hoch über tosende Bäche gelaufen werden muss
  • im Abseilgeschirr Leitern heruntergelassen werden – lässt sich brav und ruhig händeln
  • respektvollen Abstand zu Kühen halten, auch wenn man eine Herde durchquert – instinktsicher
  • bewegungsmodifizierende Kommandos für langsameres, schnelleres Gehen, Warten und ähnliches – entwickeln sich in der Praxis erheblich besser als im zusammenhanglosen Lernen
  • hinter dem Gruppenersten laufen, ohne zu überholen – verstanden, aber nicht immer einverstanden 😉

Das bisher Gelernte sitzt also schonmal und Loki hat sein Wissen selbstständig auf andere Situationen transferiert und erweitert. Momentan steht er sich mit seinem überschäumenden, jungrüdenhaften Übermut nur manchmal selbst im Weg, sodass wir da ein extra Auge darauf haben müssen, damit er sich, wenn es ihn überkommt, vor lauter Rumhampelei nicht selbst irgendwo runterkegelt. Er strotzt schließlich grade so vor Kraft und Energie. Zum Glück sind diese Momente selten, und wirklich haarig wurde es nie. Daneben zeigt er erste Ansätze von ruhiger Konzentrationsfähigkeit – und von einer echten Berg-Teambildung. Selbst wenn es natürlich noch ein weiter Weg ist bis zu dem blinden Verständnis und Vertrauen, das wir mit Luzie hatten – die Richtung stimmt. Und Loki benimmt sich zu unserer größten Freude auf den Hütten absolut vorbildlich, sowohl in den Zimmerlagern als auch gegenüber den anderen Gästen. Das ist so wichtig, ich kann es gar nicht genug betonen!

Der Ausblick und die Hoffnung

So manche Hüttenwirtsleute nehmen an sich sehr gern Gäste mit Hund auf, müssen aber allein schon wegen berechtigter Beschwerden der anderen Gäste starke Einschränkungen umsetzen. Es geht einfach nicht, den Hund heimlich auf die Betten, Lager oder Hüttendecken zu lassen oder dass er im Schankraum den Kopf auf den Esstisch legen darf. Auch der Hundehaufen in Hüttennähe oder direkt auf den schmalen Hochgebirgspfaden ist ein Unding. Gäste, die rücksichtslos zulassen, dass sich ihr Hund nicht benimmt, haben negative Auswirkungen auf alle anderen, die auch morgen noch mit ihrem Hund ins Hochgebirge wollen. Ich hoffe so sehr, dass die schlechten Beispiele nicht die Überhand gewinnen werden!

Das musste mal wieder raus, leider. Umso mehr freut es mich, wenn die Hüttenwirtsleute in der Region, in der wir so oft unterwegs sind, uns immer wieder gern aufnehmen. Luzie hat – was das angeht – gute Vorarbeit geleistet, und Loki scheint sie fortzusetzen. Und ich hoffe auf eine Fortsetzung der abgebrochenen Tour ganz bald. Vielleicht ja noch in diesem Jahr … ?